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Rolf Hochhuth

Deutsche Bank

Auszug aus einem Artikel von Rolf Hochmuth im Hamburger Abendblatt vom 24./25. Januar 2004

Der Schriftsteller Rolf Hochhuth setzt sich mit dem Thema "Mord als Hilsmittel" am Beispiel des Vorstandchefs der Deutschen Bank, des Herrn Ackermann, auseinander.

Nicht ich "bringe die Guillotine in einen Zusammenhang mit Managern", wie der BDI-Präsident mir vorhält. Sondern ich schrieb mit Benn: "guillotinereif" sei eine Gesellschaft, die - um bei ihrem erlauchtesten Beispiel: Ackermanns Deutsche Bank zu bleiben -, nach einem Gewinn von 9,8 Milliarden Euro vierzehn Prozent ihrer Mitarbeiter hinauswirft: 11 080 Banker! Da Herr Ackermann Eidgenosse ist, scheint es mir so human wie nötig, ihn an Wilhelm Tell ("Rebell und Mörder", Bismarck) und an Jacob Burckhardt zu erinnern, die beide den "Mord als Hilfsmittel" legitimiert haben, der eine praktisch, der andere aus seiner Geschichtskenntnis. Und Ackermann weiß, was Geßler, gemessen an ihm, für ein grotesk harmloser Mann war.

Burckhardt, 1867: "Es liegt nahe, dass zunächst bei Abwesenheit aller legalen Rechtsmittel, da man Richter in eigener Sache wird, eine Regierung oder ein Idividuum die Zernichtung des Gegners unternimmt." Der Basler schrieb "Zer" - nicht: Vernichtung. Welches "legale Rechtsmittel", sollte Herr Ackermann sich fragen, hat einer seiner von ihm 11 080 Liquidierten? Und er sollte wirklich fürchten, dass es ihm ergeht wie Rohwedder, gegen den ja auch kein einziger der siebzehn Millionen Ossis "ein legales Rechtsmittel" gehabt hat. Dass Meuchelmord amoralisch ist - so amoralisch wie die Geschichte als Ganzes - ist eines. Dass er auf Dauer nie vermeidbar ist, wie die Überlieferung lehrt, ein anderes.

Die Deutsche Bank, im selben Jahr gegründet wie Bismarcks Reich: 1871, hat trotz ihres Rekordgewinns nach 130 Jahren völlig niederträchtig an ihren Mitarbeitern gehandelt, doch weil sie die prominenteste deutsche Firma ist, wurde ihr Schurkenstück zum Musterstück für ausnahmslos alle Großbetriebe. Während die Deutsche Bank dem ausscheidenden Direktor Breuer seinen Abgang mit neun Millionen Euro versüßte, als sie schon wusste, sie werde diese Massenentlassungen vornehmen - versichert heute der Schweizer Josef Ackermann, es sei sogar "rechtens", dass er 55 Millionen Euro Schmiergelder beim Verkauf von Mannesmann "gewährt" hat. Mag man diese Schmiergelder auch als "Prämien" oder Abfindungen "verbrämen" - entzogen dem Betrieb sind sie in jedem Fall; schnuppe, wer sie bekam . . .

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Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 23.01.04
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