Franziska Caesar -
1991 - Revision 2004
aushärtung
kraftvoll will ich das gesetz des
stärkeren brechen.
ich gehe mit ausholenden schritten, schneller, durch kälte.
lange ist es her.
wir waren verloren in etwas, waren wir es
selbst?
später sind wir erwacht.
unheimliche ruhe ist in uns. wir haben
unsere gedanken überlebt.
nie konnten wir daran denken, was sein
würde.
nicht mehr das.
einmal hatten wir etwas getan, wofür wir
lernen mussten uns zu verachten.
wieder und wieder müssen wir uns hineinstürzen.
ja, ich weiß, denke ich gleichmütig.
zu gut haben wir den zerfall gelernt.
plötzlich wissen wir, dass wir menschen
töten können. ohne folgen. nur etwas mehr angst im dunkeln, die nächsten
tage, vorübergehend.
begegnungen, erreichtes, erduldetes,
umarmungen: nichts kann uns mehr diese unheimliche ruhe austreiben.
einmal mussten wir doch lernen, was ein
mensch ist. wir sind nicht mehr.
diese unheimliche ruhe. sie breitet sich
aus und überzieht unser spiegelbild mit einem milchigen schleier. als
sterbende kehren wir die augen nach innen und sehen nichts als haut, die
uns von licht trennt, seltsamerweise immer noch durchblutet, scharlachrot.
wenn uns jemand fragt, wer wir sind,
stehen wir in fremdem licht, unbemerkt behaftet mit spuren der
verlorenheit.
© Alle Rechte verbleiben bei Franziska
Caesar
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Rolf Schälike.
Dieses
Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 25.10.03.
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