ERZÄHLUNGEN

Franziska Caesar


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Diakonie - Dezember 2003 - Fassung nach Erstdiktat

Als ich den gut gekleideten Herren fragte, ob ich ihn kurz stören dürfe, schien er von lähmender morgendlicher Langeweile fast erlöst. Freundlich lächelnd wandte er sich mir zu.
Die bloße Erwähnung der Wörter "Kirchenzeitung" und "Diakonie" ließen seine Gesichtszüge schnell wieder versteinern. Seine Reaktion ähnelte der anderer Zeitgenossen bei der Erwähnung von Ungeziefer.

Die türkische Bedienung, ein zuvorkommendes ca. 20jähriges Mädchen kannte nicht einmal dieses Wort. "Diakonisse," erklärte ich ihr, "ist so ähnlich wie eine Nonne, nur evangelisch". Ich fragte das Mädchen, was sie von Diakonissen halte. Sie lächelte: "Keine Ahnung, ich hab noch nie eine getroffen".

Selbst ein gebildeter Hamburger mittleren Alters, der Interesse am Thema hegte, wusste darüber überhaupt nichts.

Genau so erging es mir. Bis ich Schwester Dorothea traf.
Im Gegensatz zu den jungen Menschen, die sich in der Nähe des kleinen Vorstadtbahnhofs trafen, um dort den Sommer zu vertrinken in günstiger Lage nahe eines Kiosks und eines Supermarkts wirkte sie munter und ausgeruht.

Erschöpft von irgendwelchen Parties, die entweder gar nicht oder alle gleichzeitig stattfinden, raffte ich mich mit letzter Kraft auf, der sympathischen Dame die Frage zu stellen, mit der ich mich schon seit meiner Kindheit beschäftige. "Entschuldigen Sie bitte, haben Sie einen Moment Zeit? Ich würde gerne wissen, wie Sie leben".

Sie lächelte mich an. "Klar habe ich Zeit. Nur nicht jetzt. Ich möchte zum Gottesdienst".
Nicht wie ich damals im Konfirmandenunterricht, den ich nur deshalb als Belastung empfand wegen des Pfarrers mit den Kontrollkreuzchen, die er den Schwänzern schlicht verweigerte. "Dann werdet ihr  nicht konfirmiert", drohte er, "und dann geben eure Eltern euch kein Geld".

Bis heute weiß ich nichts über den Inhalt dieser Gottesdienste. Mit der Tochter des Stadtdirektors unterhielt ich mich über Tischtennis. Nach der Konfirmation besuchte ich ungefähr zweihundert Gottesdienste verschiedener Kirchen und Konfessionen. Ein einziges Mal sogar eine schwarze Messe, die ich nicht besuchen wollte, sondern die ein Mann, der den Plan hatte, sich umzubringen, spontan veranstaltete, um mir mit materiellen Tatsachen zu "beweisen", dass das Böse stärker ist.

Damals betete ich, "Gott, Jesus, falls es Euch wirklich gibt, gebt Euch kurz zu erkennen, gebt bitte irgendein Zeichen, damit er sich nicht umbringt". Zu dieser Zeit war ich weder von irgendeiner Religion überzeugt noch von dem Atheismus.

Im Moment des Gebets zersprang die Kette aus 750er Gold, deren Glieder durchgehend geschmiedet waren und an der es vorher befestigt war: Das Pendel aus Bergkristall.

Diese Kette hatte ich vorher selbst in der Hand gehabt.
Eine zweite befand sich nicht im Raum.
Manipulationen waren dem Mann nicht möglich, da ich ihn ständig beobachtete und er zudem nur über einen Arm verfügte.

Dies erzählte ich einer Kommilitonin. Sie selbst hatte nicht das gleiche erlebt wie ich, jedoch etwas ähnliches, dass in die gleiche Richtung wies. Das nachgewiesenermaßen geistig gesunde, damals 24jähriges Mädchen, eine Arzttochter, die vor kurzem ihr Fotodesign-Studium abgeschlossen hatte, berichtete, entgegen aller Naturgesetze eine Pendel, dass vorher gerade herabhing, dabei gesehen zu haben, wie es sich aufrichtete, bis es fast in der Waagerechten war. Das Pendel hielt sie selbst locker in der Hand. Die Durchbrechung der Naturgesetze (meiner Meinung folgen auch solche Phänomene Gesetzen, die noch nicht genügend erforscht sind) erfolgte in dem Moment, als die beteiligten Personen, ohne recht daran zu glauben, "schwarze Messe" spielten.

Davon erschreckt, führten sie so etwas danach nie wieder durch, ebenso wie ihre Freunde.

Derartige Phänomene sind für Schwester Dorothea erklärbar so wie möglich, doch in Wahrheit nicht wichtig.

Wichtig dagegen ist für sie die nicht materielle Welt, welche sich hinter dieser verbirgt. Zu dieser Überzeugung kam sie durch Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges. Direkt nach dem Krieg, damals 24 Jahre alt entschloss sie sich, Diakonisse zu werden, da es für sie eine Lebensform ist, die ihrer geistigen Haltung entspricht. Ihre Bildung bezog die mittlerweile 88jährige nicht nur aus der Bibel.

Sie verfügt über ein abgeschlossenes Hochschulstudium im Bereich Sozialpädagogik. Besonders wichtig ist ihr das Leben in Glaubensgemeinschaft mit anderen. Interesse hegt sie nicht nur an Wissenschaft sondern auch an persönlicher Geborgenheit; an Weitergabe der von ihr erlebten Liebe Gottes.

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Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 30.12.03.
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