Franziska Caesar -
02.06.99
krieg
licht blitzt; und
ich kann sehen durch meine augenlider.
als ich sie, von
unbekannten durch luftschutzkeller getrieben, wieder öffne, sehe ich
schemen fremder im licht zu dunkler glühbirnen.
die sich immer
hervorgetan hatten, tragen jetzt schutzanzüge in rot, funkgeräte, und
laufen geschäftig umher.
sie verteilen
ratschläge und essen.
ich fliehe vor allem
aufs land, doch dort ist nichts außer nachrichtensperren, hunger und
angst. andere überrede ich, mit mir zu kommen in die stadt. dort sind sie
wieder, die in den schutzanzügen. nicht wie vorher, will jeder jetzt zu
ihnen gehören, sich freiwillig melden zu ehrenamtlicher arbeit. auch ich.
doch sie haben genug. wäre jeder bei ihnen, wer wäre dann geber, wer
empfänger von rationiertem essen und befehlen?
einen dieser kenne
ich von früher. wir waren auf der gleichen schule. hatten wir uns jemals
gesehen, war dies nichts als zufall.
jetzt erkennt er
mich. jedem gibt er zwei schnitten graubrot; mit wurst oder mit käse. mir
zehn übereinander, dazwischen schmierige margarine und dicke scheiben
kochschinken.
er lächelt, „für
einen niederen hilfsposten gibt´s vielleicht eine chance....“
DUWWW
ganz nah eine explosion.
in dem moment, als
aus lautsprechern eine ölige stimme schallt: „KEINE ANGST. ES HANDELT SICH
LEDIGLICH UM KRIEGS-SIMULATIONS-ATTRAPPEN VERSPRENGTER TERRORISTEN, und
ohnehin sind wir im äußeren randbereich“,
bin ich - bis mir
einfällt; minus mal minus ist plus, fast glücklich; verbeiße mich im brot
wie eine gefräßige raupe.
verdient hab´ ich´s
mir redlich.
hatte immer eine
meinung, die ich nur freunden sagte, denn andere ließen mich nie ausreden.
© Alle Rechte verbleiben bei Franziska
Caesar
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Rolf Schälike.
Dieses
Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 25.10.03.
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