Franziska Caesar - 1986
ungefähr -12°
Ich gehe in einer kalten
Frostnacht durch die Straßen und weiß, im Grunde ist es zu spät.
Hättest, würdest,
könntest, dürftest: wenn!
Ich würde das Wenn
erschlagen, wenn....
Das ist doch das
wichtigste im Leben, dass man sich wehren kann.
Man muss sich ja gegen
alles wehren. Sogar gegen sich selbst.
Ich weiß noch, als ich
jung war und alle verurteilt hatte, die so waren, wir ich jetzt bin.
Ich hatte sie ausgelacht.
Nun bin ich 43.
Jetzt kann ich mich selbst auslachen. Ich weiß noch, was ich damals für
Grundsätze hatte.
Jetzt bin ich das, was man
einen Penner nennt. Dabei kann ich nicht mal pennen, es ist zu kalt, ich
würde erfrieren.
Früher dachte ich an
Freiheit, doch jetzt bin ich nur fast besoffen und habe nicht mal mehr die
Freiheit zu schlafen. Ich laufe die klirrenden Strassen rauf und runter,
um nicht einzuschlafen. Es hört sich komisch an: klirrende Straßen, doch
es ist so. Jedes kleinste Nebelfetzchen liegt gefroren auf der Straße, und
wenn du drauf trittst, zerbricht es. Ach quatsch, ich bin nur fast
besoffen. Ich sollte nicht zu viel denken, das tut weh. Lieber schlafen.
Schnee ist weich und warm, wenn man nichts mehr fühlt.
© Alle Rechte verbleiben bei Franziska
Caesar
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Rolf Schälike
Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 07.07.04
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