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erzählungen f. caesar

Franziska Caesar - 1984 (Revision 2004)

Von links nach rechts

In unserer Straße haust eine schwarze Katze! Früher fand ich es nicht schlimm, ich fühlte mich von der Bestie keinesfalls gestöِrt. Sie lief mir von rechts oder links so oft über den Weg, wie sie Lust hatte, und mir Töِlpel war das  alles wurscht!!

"VON RECHTS NACH LINKS - WAS GUTES BRINGT'S,
VON LINKS NACH RECHTS — BRINGT WAS SCHLECHT'S !"
Diesen Spruch hatte ich vorher als Aberglaube abgetan, bis mir diese Pussy einmal von links nach rechts über die Straße lief und ich über sie stolperte. Ich fiel hin und brach mir den linken Arm.

Von da an war ich auf der Hut vor dem Vieh! Ich ging erst über die Straße, wenn ich mich überzeugt hatte, dass Pussy auf der rechten Straßenseite war, und siehe da; ich kam dank meiner Umsicht unverletzt durchs Jahr. Doch an einem Freitag, natürlich dem 13, passierte es. Als ich zur Arbeit ging, lief das Vieh von der rechten Straßenseite zur linken und kehrte gleich wieder um, als es mich sah. So was Tückisches! Bevor sie aber die rechte Straßenseite erreichen konnte, stürzte ich mich auf sie und hielt sie fest. Doch meine Bemühungen waren zu spät, ich konnte das Unheil nicht mehr abwenden. Ein Auto kam, und... ...KRACH!

Ich musste mit 13(!) gebrochenen Rippen ins Krankenhaus. Ich ging jetzt immer rückwärts die Straße entlang, um der Katze ein Schnippchen zu schlagen. Denn wenn sie mir von links nach rechts über die Straße läuft, ist rechts ja links und links rechts, weil die rechte Hand auf der linken Seite zur Gehrichtung ist und die linke auf der rechten. Also würde sie mir denn theoretisch von rechts nach links über die Straße laufen, was Glück bringt. Wenn sie aber in Wirklichkeit von rechts nach links läuft, bringt auch das Glück, denn die rechte Seite ist ja bekanntlich da, wo die rechte Hand ist.

Logisch?
Ich hatte schon richtig Übung im Rückwärtsgehen, als ich über einen Farbtopf fiel, die Malerleiter umwarf und gegen eine frisch gestrichene Hauswand kippte. Auf der rechten Straßenseite saß die schwarze Bestie und lachte sich scheckig. Ich nahm den Farbeimer und schleuderte ihn nach ihr. Jetzt lachte sie sich nicht mehr scheckig, sondern war es. In diesem Moment kam die alte Hexe, Besitzerin der Katze, aus dem Haus gestürzt und schlug mit einem Besen auf mich ein. Ich konnte gerade noch die Worte "...arme Kreatur,... Misshandlung;" und "...Tierschutzverein ..." verstehen, bevor mir schwarz vor Augen wurde. Nachdem ich meine Knochen und Sinne wieder gesammelt hatte, stand ich auf und wollte nach Hause gehen. Grinsend saß das Vieh auf der linken Straßenseite und beobachtete mich. Diesmal war ich aber schlauer als Teufel; ich nahm die Katze auf den Arm und trug sie auf die andere Seite. Sie zappelte zwar, biss und kratzte mir ein hübsches, rotes Muster ins Gesicht, aber ein paar Schrammen sind immer noch besser als teuflisches Pech.
Bis auf eine kleine eitrige Entzündung war ich schließlich heil geblieben!

Inzwischen sind ein paar Monate vergangen. Zuletzt kaufte ich die Katze der Hexe für 800 (in Worten: achthundert ) Goldstücke ab, für weniger wollte die Hexe das Vieh nicht rausrücken.
Ich band die Katze mit einer Wäscheleine an eine selbst gezimmerte Hundehütte an; so konnte sie mir nicht mehr einfach so über den Weg laufen.

Immer, wenn ich jetzt Glück haben will, setze ich sie auf die rechte Straßenseite und locke sie mit einer Schüssel Milch auf die linke. Dies, lieber Leser, ist ein Beispiel dafür, dass man mit der nöِtigen Intelligenz sogar den Teufel überlisten kann!

© Alle Rechte verbleiben bei Franziska Caesar

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Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 11.07.04
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