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Natascha: Spürt man dort das Herankommen der Wahlen? Wir haben hier in der Zeitung gelesen, dass es in Florida schon damit Ärger gab. Rolf: Ich sehe keinen TV und Galja erzählte nur von einem Flugzeugabsturz einer Privatmaschinen in Missouri. Busch ist für sie doof und sie ist überzeugt, dass dieser nicht gewählt wird. In den Zeitungen habe ich aber viel gelesen, Busch liegt wohl etwas vorn. Galja sagt mir gerade, dass man sehr die Wahlen spürt. In der Stadt sind überall Plakate. Auf ihrem Anrufbeantworter gab es sehr viel Wahlwerbung und Anrufe von Freunden zu den Wahlen. Der Skandal von Florida ist Galja bekannt. Die PC´s lassen eine Überprüfung nicht zu, die SW-Firma lehnt es aber ab, den Quellcode überprüfen zu lassen. Dort herrscht der Bruder von Busch. Diesmal ist die Bevölkerung aber aufmerksamer. Also, man spürt sehr viel, ich bloß noch nicht. Ich saß ja hauptsächlich in Gaststätten, und in Flugzeugen und lief durch die Straßen von Las Vegas. In den Casinos, an den Seen und dem Dinosaurier-Tal gab es keine Plakate. Hier in Columbia schlafe ich mich erstmal aus. Zu Florida ruft mit Galja gerade zu, daß Cores - ich weiß nicht wie der andere Kandidat damals hieß - vorgeworfen wird, seinerzeit zu früh das Handtuch dem Busch hingeworfen zu haben. D.h., diesmal wird es ernster und die Betrügereien werden schon im Vorfeld diskutiert.
An vielen Häusern hängen USA-Fahnen. Das aber nicht nur zur Wahl. Patriotismus ist sichtbar. Die Amerikaner sind stolz auf ihren Lebensstil. Links ein Foto von den Nachbarn mit Wahlwerbung. Diese sind Republikaner. Das mit den Studenten, dass diese keine Wahlbenachrichtigung erhalten - ist bekannt. Galja hat mir empört darüber berichtet. Noch schlimmer, bei der ersten Busch-Präsidentschaftswahlen fehlten einige Kandidaten auf den Wahllisten. Diese dachten, es sei ein einfacher Fehler und damit hat es sich. Nachdem aber bekannt wurde, dass Busch und seine Familie bewusst Kandidaten von den Listen strich, wurden auch die anderen in den anderen USA-Staaten hellhörig. Galja sagt, Busch wäre der erste so unanständige und unmoralische Präsident, der sieht auch schon sehr dumm aus und es wäre ein Unglück, wenn er gewählt würde. Nach der amerikanischen Verfassung dürfen die Amerikaner die Regierung mit Waffengewalt - sie haben ja fast alle Waffen - verjagen, wenn diese z.B., trotz verlorener Wahlen, nicht abtritt. Galja hofft, dass die Amerikaner keine Bürgerkrieg wegen Busch anzetteln, das wäre fatal. Aber es passiert wirklich etwas ungewöhnliches. Ich habe eine Wahlwerbung vor mir, auf der ein Kandidat schreibt, er wäre der beste seit allen Zeiten im Universum: "The best-qualified candidate in the history of the universe.om particular areas of state revenue and finance." Sehr bescheiden. Typisch amerikanisch. Heute haben wir erfahren, dass mehr als 10.000 Anwälte sich als Volonteure in die Wahllokale eingetragen haben, um den Wahlschwindel zu verhindern. Dann hat das Gericht beschlossen, dass der Termin für die Wahlbeteiligung um 10 Tage verschoben wurde, damit alle, die keinen Wahlschein erhielten oder aus anderen Gründen, an der Wahl nicht teilnahmen, die Möglichkeit erhalten, ihre Stimme noch abzugeben. Hat natürlich nur Bedeutung, wenn der Unterschied am 2. November sehr knapp ausfällt.
Am Tage klingelte es und der Kandidat der Demokraten stand vor Galjas Tür. Sie sagte ihm, er kann sich die Zeit sparen, sie wählt so und so die Demokraten. Glücklich zog er zum nächsten Haus. Sonnabend: Komme gerade vom UNI-Umzug wie aus dem Kino. Ähnelt unseren Techno-Umzügen, bloß direkter, einfacher und standardisierter. Jede Schule, jedes Wohnheim, wohl auch die Fachrichtungen und Sportschulen hatten ihren Block. In fast jedem Block gab es eine Blasskapelle in gleicher Anordnung, mit den gleichen Instrumenten, die meistens von Frauen (Mädels) dirigiert wurde (Verhältnis 10:1), dann wurde dazu getanzt. Am Blockende kam die Fähnchengruppe, in der die Mädels alle gleich die Fähnchen schwenkten und sich auch gleich umbauten von einem Querreihen-Block zu einem Längsreihen-Block. Ob dick oder schön schlank war egal, alle sahen gut aus und hatten gute Laune. Auch in dem Ballettschule-Block gab es eine Fette - passte rein und sie war fröhlich und tanzte wie die anderen. Die Trecker in den Trecker-Blocks waren meistens doppelrädrig mit riesigen Rädern, d.h. diese zerstören den Boden weniger als einrädrige Traktoren. Dazwischen die Wahlblocks. Zunächst kamen die Republikaner. Dann die Demokraten. Die im Spalier stehenden riefen denen zu. Die Republikaner waren ernster, die Demokraten lockerer. Die Demokraten hatten in meiner Umgebung mehr Zuspruch. Beide Gruppen, in denen jeweils für konkrete Abgeordneten bis zu den Cheriffs geworden wurde, warfen Bobons in die Menge. Einige Kinder hatten Beutel bei sich, die sich schnell füllten. Wir kehrten mit voll gefüllten Hosentaschen und das kleine Mädel mit einem Luftballon und einem Werbe-Rydgyball nach Hause zurück. Es wurden auch Aufkleber verteilt. Das kleine rumänische Mädchen, nachdem es locker geworden war, nahm die Aufkleber und klebte diese auf ihr T-Shirt - Republikaner und Demokraten durcheinander. Die umstehenden Frauen freuten sich. Es gab auch Werbezettel. Zwei bringe ich als Souvenier mit. Es gab auch kritische Blöcke gegen Unrecht der Justiz, wenn ich es richtig verstanden habe, auch für die Umwelt. Mein Englisch reichte aber nicht aus, die Nuancen zu verstehen und zu begreifen. Nachmittags ist ein Fußballspiel angesetzt. Da werde ich aber nicht dabei sein. Ich kenne das aus den Kinos. Hallo, ihr drei, Christine, Anne, Natascha, heute sind Wahlen. Die Wahlen finden in den USA immer am ersten Dienstag des Novembers statt. Die Leute arbeiten und finden irgendwie Zeit, wählen zu gehen. Das Wahllokal von Galja war eine Schule, in der der Unterricht weiter ging. Die Leute begrüßen sich alle. Wer gewählt hat, erhält einen Aufkleber "I have voted." Im Kunstgewerbe-Laden bat eine ältere Verkäuferin Galja um ihren Aufkleber, denn ihren hatte sie verloren. Gleich danach baten auch die anderen. Was ist positiv? In Florida oder einem anderen Staat waren
im PC bei Wahlbeginn schon Stimmen, darf nicht sein. Die Kirchen haben aufgerufen, alle Mitglieder sollen wählen und üben Druck aus. Damit hat Busch mehr Chancen, denn er ist gegen Abtreibung, gegen Gentechnik, gegen offiziellen Drogenverkauf u.a., was die Kirchgänger ja auch alles nicht wollen. Kerry ist Zentrist, ihm wirft Busch aber vor, er sei ein Leaberty, d.h. ein Linker unter den Demokraten. Dem Clincton wurde das seinerzeit nicht vorgeworfen. Der Oelpreis ist gesunken, also rechnet man mit dem Gewinn von Kerry, denn nur Busch und die Suadis, vielleicht auch die Grünen bei uns sind an einem höheren Oelpreis interessiert. Ansonsten erlebe ich auch alles nur am Fernseher, wie ihr zu Hause. Die Strassen in der kleinen Stadt Columbia sind leer, wie immer. Von der Wahl äußerlich nichts zu spüren. In der Wohnung haben wir dutzende von Wahlreklamen der einzelnen Kandidaten. Danach zu entscheiden ohne Hintergrundwissen, ist aussichtslos.
Auch Nevada, der unsittliche Freudenstaat hat Busch gewählt, treu seinen Töchtern und der seiner eigenen sowie der seiner Ehefrau Jugendzeit: er ein Säufer, sie eine Drogenhändlerin. Der mit seiner Frau erschossene rumänische
kommunistische Diktator Ceausescu lässt grüßen, der kleine Dieb mit seiner
analphabetischen Ehefrau Elena, die mehr als hundert Ehrendoktorhüte
besaß. Damals war die Hamburger Uni noch nicht so weit und ließ sich nicht
kaufen. Anbei zwei Bilder mit den entsorgten Busch-Plakaten unserer Nachbarn. Fünf Minuten nach dem Fotografieren waren diese mit dem Müllwagen samt Müllsack entfernt. So schnell ist Amerika. Galja beobachtete die Wahlergebnisse an dem Aktienbarometer. In den ersten Stunden der Wahl, als Kerry Vorsprung hatte, fielen die Aktien der buschnahen Firmen. Dann stiegen diese und heute stieg der Oelpreis um mehr als anderthalb Dollar. Ich bin aber kein Zocker. Sehe alles gelassen. |